Stellen Sie sich einen Hörsaal mit Studierenden vor 20 Jahren vor … und jetzt vor 15 Jahren … und jetzt vor 10 Jahren … und heute? Was hat sich verändert? Rein äußerlich kaum etwas: Die Studierenden sitzen in den klassischen Bankreihen der Hörsäle. Sie tuscheln, sie lauschen den Ausführungen der Lehrenden. Vor zwanzig Jahren nutzten die Lehrenden Overhead- und Dia-Projektoren, um Bilder oder Abbildungen zu zeigen, erst langsam zogen die Beamer und damit die Powerpoint-Präsentationen in die Hörsäle ein. Heute ist das gesprochene Wort der Lehrenden fast immer begleitet von mehr oder weniger überfüllten Folien.

Und was ist noch anders? Stimmt: Vor ca. 15 Jahren begannen die Laptops der Studierenden ihren Eroberungszug der Hörsäle. Anders als noch vor 15-20 Jahren steht heute vor fast jedem Studierenden ein Laptop; steht da keiner, so findet sich einer in der Tasche unter dem Tisch … und falls tatsächlich kein Laptop vorhanden ist, so ist doch mindestens ein Tablet dort zu finden.

Und was ist noch anders? Es sind die Smartphones! Sie sind allgegenwärtig: Sie liegen auf den Tischen, stecken in den Hosentaschen oder werden in der Hand gehalten; vor, während und nach der Vorlesung; auch wenn die Studierenden sich unterhalten, fällt der Blick regelmäßig auf das Smartphone.

Und die Lehrenden? Wie gehen sie damit um? Manche versuchen verzweifelt, die digitalen Geräte von den Tischen zu verbannen. Andere lassen sie zu, befürchten aber, dass die Studierenden der Vorlesung weniger gut folgen als vor zwanzig Jahren, da sie abgelenkt seien.

Was viele Lehrenden heute tun, ähnelt damit sehr dem, was sie vor zwanzig Jahren auch schon taten: Sie stellen Informationen dar. Die Möglichkeiten, die die allgegenwärtigen digitalen Geräte der Studierenden bieten, empfinden einige eher als Bedrohung, denn als Möglichkeit. Dadurch bleibt das wahre Potential der Digitalisierung für die Hochschullehre völlig ungenutzt.

 

Was ist es nun aber, was die letzten Jahre gebracht haben, was die Hochschullehre und die hochschuldidaktische Aus- und Weiterbildung tangieren sollte?

 

Werfen wir dafür einen kurzen Blick zurück in die Zeit vor dem Internet, vor dem Smartphone – und sooo lange müssen wir dafür ja gar nicht zurückgehen, wie wir gerade schon gesehen haben: Nur ca. 20-25 Jahre.

 

„Früher“, also vor ca. 20-25 Jahren

Gesichertes Wissen war damals gebunden an Expert/inn/en und wurde in Printmedien (Büchern und Zeitschriften) publiziert und verbreitet. Das Wissen in einem bestimmten Fach oder zu einem bestimmten Themenbereich entwickelte sich zwar auch weiter, durch die Bindung an Personen oder Printmedien allerdings aus heutiger Sicht recht beschaulich und langsam. Die Menge des Wissens schien zu einem bestimmten Zeitpunkt geradezu endlich zu sein.

Die Weiterentwicklung des Wissens war weitgehend gebunden an die Wissenschaft und fand an den einzelnen Forschungseinrichtungen statt. Natürlich gab es bereits Austausch zwischen einzelnen Einrichtungen, natürlich nahm man Bezug auf Forschungsergebnisse anderer und pflegte Kooperationen, aber aus der Perspektive von heute ging dies alles viel langsamer vonstatten: Man musste reisen, sich treffen, Briefe und später immerhin noch E-Mails schreiben. Es dauerte bis Forschungsergebnisse publiziert waren und damit der Fachcommunity zugänglich waren.

Zu dieser Zeit waren die Zugangsvoraussetzungen für bestimmte Berufe und Tätigkeiten recht klar definiert: Man wusste, was jemand können muss, der in einem bestimmten Tätigkeitsfeld arbeiten sollte.

 

Und heute?

Gesichertes Wissen ist heute nicht mehr nur gebunden an Expert/inn/en und Printpublikationen. Es ist immer und überall über das Internet und Netzwerke von Menschen verfügbar und zugänglich, und dies weltweit in Echtzeit. Die Wissensmenge ist unendlich, denn es wird immer und überall durch viele Menschen neues Wissen, bzw. neue Informationen produziert. Jeder und jede kann beitragen, jede/r kann Experte oder Expertin werden, da der Zugang zu Wissen heute viel leichter ist als frühe. Nicht nur an Hochschulen und Universitäten eingeschriebene Studierende und Wissenschaftler/innen haben Zugang zu Expert/innen, über das Internet kann jeder und jede teilhaben und selbst zum Experten oder der Expertin werden. Stellt sich jemand gut dar, produziert für eine Community gute Informationen, wird er oder sie auch ohne formale Abschlüsse und Titel zu als Experte wahrgenommen.

Insgesamt sind die Einflussmöglichkeiten der einzelnen größer geworden: Wir bewerten Produkte und Dienstleistungen und nehmen damit Einfluss auf andere Menschen, die sich für diese Produkte und Dienstleistungen interessieren, aber auch auf neue Produkt- und Dienstleistungsentwicklungen. Wir vermieten einfach unsere Wohnung über airbinb, wir transportieren andere Menschen über uber und verdienen dabei nebenbei Geld.

Wir haben insgesamt viel mehr Wahlmöglichkeiten: Wir können Preise fast weltweit vergleichen und die günstigsten wählen, wir entscheiden selbst, wann wir Nachrichten schauen und wann der Tatort am Sonntagabend beginnt oder auf Montag verschoben wird. Wir wählen, ob wir das Zugticket am Schalter, am Automaten, im Internet oder mobil kaufen.

Dazu kommt, dass viele Tätigkeiten, die früher von Menschen durchgeführt werden mussten, heute automatisiert sind, und dieser Prozess der Automatisierung ist längst nicht abgeschlossen. Dadurch sind Berufsbilder und Tätigkeitsfelder einem starken Wandel unterworfen und im Moment ist nicht abzusehen, wo und was Menschen in der Zukunft arbeiten werden. Sicher scheint zu sein, dass es immer weniger klar definierte Tätigkeiten geben wird. Was Menschen in Zukunft konkret können müssen, um in bestimmten Tätigkeitsfeldern erfolgreich zu sein, ist heute nicht klar. Sicher ist aber, dass es immer weniger klar definierte Tätigkeiten geben wird, denn die klar definierten können ja automatisiert werden.

 

Und was bedeutet dies nun für die Hochschullehre?

Dies erfahren Sie im Micro-Learning-Kurs „Visionen für die Hochschullehre“.

Melden Sie sich hier an und Sie erhalten ab heute einmal wöchentlich für sechs Wochen kurze Informationen, Learning-Nuggets zugeschickt. In diesen Learning-Nuggets Form von Texten, Learning-Snacks, Videos und Beispielen erfahren Sie, warum die Hochschullehre neue Formate und Themen braucht und welche das sind. Diese Learning-Nuggets zu bearbeiten kostet Sie zwischen 5 und 15 Minuten und Sie können sie nebenbei online per Smartphone bearbeiten.

Auf dem Programm steht Folgendes:

Noch heute erhalten Sie: Visionen für eine Hochschullehre im Digitalzeitalter

In den folgenden Wochen lernen Sie die Formate für eine Hochschullehre im Digitalzeitalter kennen:

Woche 1: Die Möglichkeiten des Flipped Classrooms

Woche 2: Die Möglichkeiten von Micro-Learning

Woche 3: Forschendes Lernen

Woche 4: Service Learning

Woche 5: Die Rolle persönlicher Lernumgebungen und -netzwerke

Woche 6: Und wie geht es jetzt mit der Hochschuldidaktik weiter?

Sie erhalten dadurch einen Überblick über das, was eine digitale Welt im Kontext der Hochschullehre bietet aber auch gebietet. Seien Sie dabei. Ich freu mich auf Sie.

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