Semesterstrategien für Lehrveranstaltungen

Das nächste Semester kommt bestimmt ...

Das nächste Semester kommt bestimmt. Eine Semesterveranstaltung vorzubereiten ist mit großen Herausforderungen verbunden und braucht Zeit. Um Ihnen die Planung zu erleichtern, möchte ich Ihnen hier den Vorteil des Planens mit Semesterstrategien aufzeigen.

Eine Semesterstrategie ist eine Strategie, die einer Lehrveranstaltung eine Makrostruktur gibt, sie als Ganze mit immer wiederkehrenden Mustern und/oder einer großen Klammer über das ganze Semester hinweg strukturiert.

Eine typische Semesterstrategie ist z.B. ein referatebasiertes Seminar. Wird diese Strategie angewendet, so verlaufen viele Sitzungen der Lehrveranstaltung nach dem folgenden, einheitlichen Muster:

  • Begrüßung
  • Referat
  • Fragen und Diskussion
  • Referat
  • Fragen und Diskussion

(oder so ähnlich)

Von einer Strategie spricht man deshalb, weil viele Sitzungen dieses Muster aufweisen und/oder das gesamte Semester durch eine Art Klammer zusammengehalten wird. Dies ist z.B. der Fall, wenn die gesamte Lehrveranstaltung durch ein Projekt oder die Lösung eines Problems begleitet wird und in den einzelnen Sitzungen das Projekt bzw. das Problem immer wieder thematisiert und an ihnen gearbeitet wird. Eine Lehrveranstaltung, die ein solches Muster aufweist oder durch eine solche Klammer zusammengehalten wird, hat für Sie als Dozentin oder Dozent den Vorteil, dass Sie nicht jede Sitzung neu didaktisch strukturieren müssen, was Ihre Planungs- und Vorbereitungszeit verkürzt.

 

In diesem Sinne ist es sehr empfehlenswert, der eigenen Lehrveranstaltung eine Semesterstrategie zugrunde zu legen. Welche geeignet ist, hängt dabei von den Rahmenbedingungen und den Zielen ab.

 

Lassen Sie sich von der folgenden Auswahl an Semesterstrategien inspirieren und wählen Sie eine aus, um sich die Arbeit im Semester zu erleichtern.

 

Strategien mit wiederkehrendem Muster

 

Referatebasierte Semesterstrategie

 

Vorgehen

Bei der referatebasierten Semesterstrategie laufen die zweite/dritte Sitzung bis zur vorletzten Sitzung nach folgendem Schema ab:

  • Begrüßung
  • Provokation zum Thema des Referates (etwas, das zum Nachdenken anregt und die Aufmerksamkeit der Studierenden auf das Referat fokussiert)
  • Kurzes Sammeln erster Ideen zur Provokation (Vorwissen aktivieren)
  • Referat
  • Aufgabe zum Inhalt des Referats, die in Gruppenarbeit oder Partnerarbeit bearbeitet und anschließend im Plenum besprochen wird; schön ist hier, wenn die Aufgabe einen Bezug zur Provokation vom Anfang hat
  • Wiederholung der Schritte 2-4
  • Abschluss

Die erste Sitzung dient dem allgemeinen Einstieg in die Lehrveranstaltung und dem Klären organisatorischer Aspekte. Die letzte Sitzung bietet einen Abschluss und „schließt“ den Kreis.

 

Vorteile dieser Strategie:

  • Die Referate werden aktivierend eingebunden und stehen nicht „unverbunden“ nebeneinander.
  • Die anschließende Auseinandersetzung mit den Inhalten der Referate ist intensiver als bei den klassischen „Diskussionen“, die sich sonst oft an Referate anschließen.

 

 

Lektürekurs

 

Vorgehen

Beim Lektürekurs steckt das Besondere darin, dass die Studierenden zu Hause lesen, vorbereitet in die Sitzungen kommen und dort jeweils in Gruppen Aufgaben zu den gelesenen Texten bearbeiten und schließlich ihre Ergebnisse präsentieren. Wichtig ist hier darauf zu achten, dass es niemals eine Wiederholung der Inhalte der zu lesenden Texte in der Sitzung gibt, weil es ansonsten für die Studierenden keinerlei Grund gibt, die Texte ernsthaft zu lesen. Merken Sie dagegen, dass sie von den Sitzungen nicht profitieren können, wenn sie unvorbereitet kommen, werden die meisten sich doch dazu durchringen, die Texte vorab zu lesen.

 

Vorteile dieser Strategie:

  • Die Studierenden lesen die Texte wirklich.
  • Sie beschäftigen sich beim Lösen der Aufgaben intensiv mit den Inhalten der Texte.
  • Durch das Muster ist für Sie die Vorbereitung klar: Sie brauchen zu jedem Text Aufgaben.

 

 

Semesterstrategien mit Klammer-Funktion

 

Problembasierte Semesterstrategie

 

Vorgehen

Bei der problembasierten Semesterstrategie wird in der ersten Sitzung das zu bearbeitende Problem vorgestellt. Dabei werden die Studierenden gebeten, erste Ideen zu möglichen Lösungen des Problems zu erarbeiten und gleichzeitig herauszuarbeiten, was sie noch lernen müssen, um das Problem gut bearbeiten zu können. Dann wird das Semesterprogramm aufgezeigt, in dem idealerweise diese von den Studierenden genannten Themen enthalten sind.

Es folgend dann „klassische“ Lehrveranstaltungssitzungen, in denen die Themen behandelt werden, die die Studierenden benötigen, um das Problem angemessen zu bearbeiten. Diese Sitzungen können durch Vorträge, Lektüre, Referate etc. gestaltet werden.

Dann folgt eine oder folgen mehrere Sitzungen, während derer die Studierenden an den Problem-Lösungen arbeiten (zumeist wohl in Gruppen oder zumindest Paaren).

Dann folgen eine Sitzung mit den Präsentationen der Lösungen und eine als Abschluss.

 

Vorteile dieser Strategie

  • Die gesamte Lehrveranstaltung strebt auf ein Ziel hin, nämlich die Lösung des Problems. Dadurch ist der rote Faden quasi automatisch gegeben; die Relevanz deutlich.
  • Jede Sitzung muss vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung zur Lösung des Problems gestaltet werden.
  • In jeder Sitzung gibt es einen Teil, in dem die neuen Erkenntnisse der Sitzung auf das Problem angewendet/übertragen werden.

 

 

Projektorientierte Lehre

 

Vorgehen

Die Projektorientierte Semesterstrategie ist der projektorientierten Semesterstrategie sehr ähnlich. Statt eine Problems oder mehreren Problemen erhalten die Studierenden Projektthemen, die sie dann im Laufe des Semesters begleitend zu den klassischen Sitzungen bearbeiten müssen. Dabei kann in jeder „klassischen“ Sitzung auch immer Zeit eingeplant werden, in der die Studierenden die Inhalte der Sitzung auf ihre Nützlichkeit für das Projekt hin beleuchten und ggf. auf das Projekt anwenden oder übertragen.

 

Vorteile dieser Strategie

  • Die gesamte Lehrveranstaltung strebt auf ein übergeordnetes Ziel hin, nämlich die angemessene Bearbeitung des Projektes. Dadurch werden der rote Faden und die Relevant der Inhalte der einzelnen Sitzungen quasi automatisch deutlich.
  • Jede Sitzung muss vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung zur Bearbeitung des Projektes gestaltet werden.
  • In jeder Sitzung gibt es Zeit, in der die Studierenden die neuen Kenntnisse auf ihr Projekt übertragen.

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